SAP Simplification List für S/4HANA: Was sie zeigt und wie Sie relevante Simplification Items finden

Welche Simplification Items betreffen Ihr ECC-System wirklich? Der Artikel zeigt, wie List, Catalog, Readiness Check und SI-Check zusammenhängen – und was daraus für Ihre S/4HANA-Conversion folgt.

SAP Simplification List für S/4HANA: Was sie zeigt und wie Sie relevante Simplification Items finden

Wer eine SAP-ECC-Landschaft auf SAP S/4HANA umstellen möchte, begegnet früher oder später der SAP Simplification List. Sie gehört zu den wichtigsten Informationsquellen für eine System Conversion – und gleichzeitig zu den am häufigsten missverstandenen.

Denn die eigentliche Aufgabe besteht nicht darin, eine umfangreiche Liste von SAP-Änderungen vollständig durchzuarbeiten.

Entscheidend ist vielmehr:

Welche Simplification Items betreffen das eigene SAP-System tatsächlich? Welche Auswirkungen haben sie auf Prozesse, Daten, Custom Code und Schnittstellen? Und welche Maßnahmen müssen daraus vor der S/4HANA-Conversion entstehen?

SAP stellt dafür heute mehrere Werkzeuge bereit. Neben der klassischen Simplification List gibt es den Simplification Item Catalog, den SAP Readiness Check und den technisch verpflichtenden Simplification Item Check. Sie greifen ineinander, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.

Dieser Artikel zeigt, wie die Begriffe zusammenhängen – und wie Unternehmen aus den Ergebnissen eine belastbare Grundlage für ihre S/4HANA-Migrationsplanung machen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die SAP Simplification List dokumentiert relevante funktionale und technische Unterschiede zwischen SAP ERP beziehungsweise SAP Business Suite und SAP S/4HANA.
  • Eine einzelne Änderung wird als Simplification Item beschrieben. Sie kann beispielsweise Prozesse, Datenmodelle, Transaktionen, Custom Code oder notwendige Vorarbeiten betreffen.
  • SAP empfiehlt heute für die Recherche primär den Simplification Item Catalog statt ausschließlich mit der statischen PDF-Liste zu arbeiten.
  • Unternehmen müssen normalerweise nicht jedes Simplification Item manuell prüfen. SAP Readiness Check analysiert unter anderem Nutzung, Customizing und Tabelleninhalte und zeigt die für das konkrete ERP-System potenziell relevanten Items.
  • SAP Readiness Check und Simplification Item Check sind nicht dasselbe: Readiness Check dient primär der Planung und ist nicht verpflichtend; der SI-Check ist für die technische Conversion verpflichtend.

Damit wird die Simplification List nicht zum Dokument, das ein Projektteam „abarbeiten“ muss, sondern zum Ausgangspunkt für eine gezielte Impact-Analyse der eigenen SAP-Landschaft.

Was ist die SAP Simplification List?

Die SAP Simplification List für S/4HANA beschreibt wesentliche Änderungen, die Unternehmen beim Übergang von SAP ERP 6.x zu SAP S/4HANA berücksichtigen müssen.

Die darin enthaltenen Simplification Items dokumentieren beispielsweise:

  • geänderte oder vereinfachte Datenmodelle,
  • veränderte Geschäftsprozesse,
  • ersetzte Funktionen oder Transaktionen,
  • neue technische Voraussetzungen,
  • notwendige Aktivitäten vor oder nach der Conversion,
  • Auswirkungen auf kundeneigenen Code,
  • relevante SAP Notes.

SAP beschreibt die Simplification Items als zentrale Informationsquelle für Punkte, die während einer Implementierung oder System Conversion berücksichtigt werden müssen.

Wichtig ist dabei eine Abgrenzung:

Die Simplification List ist keine Liste aller neuen Funktionen von SAP S/4HANA.

Sie konzentriert sich darauf, was sich gegenüber der bisherigen SAP-Landschaft verändert und deshalb bei einer Transformation berücksichtigt werden muss.

Ein einfaches Beispiel:

Eine Tabelle, die in ECC direkt verwendet wurde, wird in SAP S/4HANA nicht mehr auf dieselbe Weise fortgeschrieben. SAP-Standardprozesse sind darauf bereits ausgelegt. Ein kundeneigenes ABAP-Programm, das direkt auf diese Tabelle zugreift, kann jedoch betroffen sein.

Das Simplification Item beschreibt dann nicht nur die Änderung selbst, sondern gibt Hinweise darauf, wie mit dieser Änderung im Rahmen einer Conversion umzugehen ist.

Simplification List oder Simplification Item Catalog: Was sollte man heute verwenden?

Beide Begriffe werden weiterhin verwendet – allerdings nicht vollkommen synonym.

Die klassische Simplification List

Die Simplification List ist als releasespezifisches Dokument verfügbar.

Für SAP S/4HANA 2025 steht beispielsweise eine entsprechende Simplification List zur Verfügung; SAP hat 2026 auch die Dokumentation für SAP S/4HANA 2025 FPS01 veröffentlicht.

Das Dokument ist hilfreich, wenn ein Projektteam:

  • eine vollständige releasespezifische Übersicht benötigt,
  • Inhalte offline prüfen möchte,
  • bestimmte Themenbereiche zusammenhängend lesen möchte.

Die statische Liste hat jedoch einen Nachteil: Informationen der zugrunde liegenden SAP Notes können sich nach Veröffentlichung des Dokuments weiterentwickeln. SAP weist deshalb darauf hin, für den aktuellen Stand auch die jeweilige Business Impact Note beziehungsweise SAP Note direkt zu prüfen.

Der Simplification Item Catalog

Für die laufende Recherche empfiehlt SAP heute den Simplification Item Catalog.

Der Catalog ermöglicht es, Simplification Items nach Produktversion, Anwendungsbereich und Stichwort zu durchsuchen. SAP bezeichnet ihn inzwischen als den empfohlenen Weg, um auf die Simplification Items zuzugreifen.

Das ist praktisch, wenn beispielsweise gezielt nach Themen aus:

  • Finance,
  • Sales,
  • Procurement,
  • Manufacturing,
  • Logistics

gesucht werden soll.

Was bedeutet das für SAP-Projekte?

Wenn heute jemand von der „SAP Simplification List“ spricht, meint er häufig allgemein die Gesamtheit der relevanten S/4HANA-Simplifications.

Für die tatsächliche Projektarbeit sollte man jedoch unterscheiden:

Simplification List
→ releasespezifisches Gesamtdokument.

Simplification Item Catalog
→ durchsuchbare und von SAP empfohlene Darstellung der Items.

SAP Notes
→ aktuelle Detailinformation zum jeweiligen Simplification Item.

Und noch wichtiger:

Keine dieser Quellen sagt automatisch, welche der vielen Items für das konkrete SAP-System eines Unternehmens tatsächlich relevant sind.

Dafür kommt SAP Readiness Check ins Spiel.

Was ist ein Simplification Item?

Ein Simplification Item beschreibt eine konkrete Änderung, die beim Übergang zu SAP S/4HANA berücksichtigt werden kann oder muss.

Ein Item kann sowohl einen Business Impact als auch einen technischen Impact besitzen. SAP nennt beispielsweise Änderungen am Datenmodell, die vorhandenen kundeneigenen Code beeinflussen können.

Typische Informationen umfassen:

  • betroffene Quell- und Zielreleases,
  • Beschreibung der Änderung,
  • Business Impact,
  • technische Auswirkungen,
  • mögliche Nachfolgerfunktion,
  • Aktivitäten vor der Conversion,
  • Aktivitäten nach der Conversion,
  • relevante SAP Notes.

In SAP-Dokumentation und SAP Notes begegnet außerdem häufig das Kürzel S4TWL. Es steht für SAP S/4HANA Transition Worklist Item und findet sich weiterhin in vielen bestehenden Simplification Items und Notes.

Nicht jede „entfernte“ Transaktion bedeutet, dass der Prozess entfällt

Das ist ein wichtiger Punkt.

Wenn ein Simplification Item besagt, dass eine bestimmte Transaktion oder technische Funktion in SAP S/4HANA nicht mehr unterstützt wird, bedeutet das nicht automatisch, dass auch die entsprechende Business-Funktion verschwunden ist.

SAP weist ausdrücklich darauf hin, dass dieselbe Funktion möglicherweise über:

  • eine andere Transaktion,
  • eine neue Anwendung,
  • SAP Fiori,
  • oder eine andere Architektur

bereitgestellt wird.

Deshalb sollten Simplification Items nicht rein technisch gelesen werden.

Die entscheidende Frage lautet:

Was verändert sich für den tatsächlichen Geschäftsprozess?

Simplification List, Catalog, Readiness Check und SI-Check: Was ist der Unterschied?

Diese vier Begriffe werden in S/4HANA-Projekten besonders häufig vermischt.

SAP Simplification List

Sie beantwortet:

Welche relevanten Änderungen gibt es grundsätzlich beim Übergang zu SAP S/4HANA?

Sie ist eine vollständige releasespezifische Sammlung und nicht auf das konkrete Kundensystem zugeschnitten.

Simplification Item Catalog

Er beantwortet:

Welche Simplification Items existieren für ein bestimmtes Release oder einen bestimmten Funktionsbereich?

Der Catalog macht die Inhalte durchsuchbar und ist für die aktuelle Recherche der von SAP empfohlene Einstieg.

SAP Readiness Check

SAP Readiness Check beantwortet eine andere Frage:

Welche dieser Änderungen könnten unser tatsächliches ECC-System betreffen?

Dazu analysiert SAP unter anderem:

  • verwendete Transaktionen,
  • Customizing,
  • Tabelleninhalte,
  • Custom Code,
  • Add-ons und Business Functions,
  • Integrationen,
  • Sizing- und Datenvolumenthemen.

Im Bereich Simplification Items zeigt SAP Readiness Check die Items, die für das analysierte SAP ERP 6.x-System als relevant identifiziert wurden. Zusätzlich können Aktivitäten, Konsistenzprobleme und eine Aufwandseinordnung sichtbar gemacht werden.

SAP Readiness Check ist damit vor allem ein Planungs- und Assessment-Werkzeug.

Simplification Item Check

Der Simplification Item Check, häufig kurz SI-Check, geht stärker in die technische Conversion.

Der Report /SDF/RC_START_CHECK prüft unter anderem Simplification-Item-Relevanz und technische Konsistenz des Systems.

Während einer Conversion führt der Software Update Manager den SI-Check aus. Vor dem weiteren Conversion-Schritt müssen relevante Fehler behoben sein; Fehler im finalen Check können den SUM-Prozess stoppen.

Der wichtigste Unterschied:

SAP Readiness Check: nicht verpflichtend, aber von SAP ausdrücklich empfohlen.

Simplification Item Check: verpflichtender Bestandteil einer S/4HANA System Conversion.

Die beiden Tools ersetzen sich also nicht.

Sie betrachten teilweise dieselben Simplification Items, werden aber für unterschiedliche Projektaufgaben eingesetzt.

Muss man die komplette SAP Simplification List lesen?

Nein – für eine konkrete S/4HANA System Conversion ist das normalerweise weder notwendig noch die effizienteste Vorgehensweise.

Der Simplification Item Catalog enthält grundsätzlich die vollständige Sammlung der Items für das ausgewählte Zielrelease.

Nur ein Teil davon ist für eine bestimmte ECC-Landschaft relevant.

SAP Readiness Check verwendet deshalb Informationen aus dem produktiven ERP-System, unter anderem Konfiguration, Daten und Nutzung, um die für die konkrete Conversion relevanten Simplification Items zu identifizieren.

Wer dagegen ausschließlich mit dem kompletten Catalog arbeitet, muss die tatsächliche Relevanz selbst bestimmen.

Das verändert die Herangehensweise erheblich.

Die Aufgabe lautet nicht:

Welche Änderungen hat SAP insgesamt dokumentiert?

Sondern:

Welche dieser Änderungen betreffen unser System, unsere Prozesse und unseren Custom Code – und welche Arbeit entsteht daraus?

Genau dort beginnt die eigentliche S/4HANA-Projektplanung.

Wie findet man die relevanten Simplification Items für das eigene ECC-System?

Ein strukturierter Ansatz verhindert, dass Simplification Items lediglich zu einer langen technischen To-do-Liste werden.

1. Zielrelease festlegen

Simplification Items sind releasespezifisch.

Deshalb sollte zunächst klar sein, auf welches SAP-S/4HANA-Release die Conversion zielt.

Wer beispielsweise SAP S/4HANA 2025 plant, sollte die dafür geltenden Simplification Items und SAP Notes verwenden – nicht einfach eine ältere 2021-, 2022- oder 2023-Liste weiterverwenden.

2. SAP Readiness Check durchführen

SAP Readiness Check analysiert die bestehende ERP-Landschaft und grenzt die potenziell relevanten Simplification Items ein.

Dabei basiert die Ermittlung unter anderem auf:

  • genutzten Transaktionen,
  • Tabelleninhalten,
  • Customizing.

Das reduziert eine generische SAP-Liste auf eine wesentlich konkretere Ausgangsbasis.

3. Fachliche Relevanz validieren

„Technisch relevant“ und „geschäftlich kritisch“ sind nicht dasselbe.

Ein Item kann technisch erkannt werden, obwohl der dahinterstehende Prozess:

  • kaum noch genutzt wird,
  • vor der S/4HANA-Einführung abgeschaltet werden soll,
  • durch einen neuen Prozess ersetzt wird.

Umgekehrt kann ein technisch unscheinbares Thema sehr große Auswirkungen haben, wenn es einen geschäftskritischen End-to-End-Prozess betrifft.

Deshalb sollten die Ergebnisse gemeinsam mit den jeweiligen Process Ownern und SAP-Fachexperten bewertet werden.

4. Die aktuelle SAP Note zum Item prüfen

Die Simplification List ist keine unveränderliche Quelle.

SAP empfiehlt ausdrücklich, auch die relevante Simplification SAP Note beziehungsweise Business Impact Note aufzurufen, weil dort die aktuellsten Informationen verfügbar sind.

Dort können unter anderem stehen:

  • zusätzliche Voraussetzungen,
  • nachträgliche Korrekturen,
  • konkrete Programme oder Checks,
  • weitere abhängige SAP Notes.

5. Aus dem Item eine Projektmaßnahme machen

Ein Simplification Item allein ist noch kein umsetzbarer Projektplan.

Für jedes relevante Item sollte deshalb zumindest geklärt werden:

  • Was ist betroffen?
  • Welche Business-Auswirkung besteht?
  • Welche technische Änderung ist notwendig?
  • Muss etwas bereits in ECC vorbereitet werden?
  • Gibt es Custom-Code-Abhängigkeiten?
  • Welche Daten müssen korrigiert werden?
  • Welche Schnittstellen sind betroffen?
  • Welche Tests werden benötigt?
  • Wer übernimmt das Thema?
  • Wann muss es abgeschlossen sein?

6. Maßnahmen in die Conversion-Roadmap integrieren

Danach lassen sich die Items nach beispielsweise:

Vorbereitung → technische Conversion → Nacharbeiten

sowie nach Workstreams strukturieren.

So wird aus einer SAP-Liste ein tatsächlich steuerbares Transformationsprogramm.

Was sagt ein Simplification Item noch nicht über Ihr Projekt aus?

Das ist eine der wichtigsten Grenzen der Simplification List.

Ein Simplification Item kann sehr präzise beschreiben, was SAP technisch oder funktional verändert hat.

Es beantwortet aber nicht automatisch alle Fragen, die für eine Investitions- und Projektentscheidung wichtig sind.

Zum Beispiel:

  • Wie häufig wird der betroffene Prozess tatsächlich genutzt?
  • Wie geschäftskritisch ist er?
  • Welche anderen Systeme hängen davon ab?
  • Ist der aktuelle Prozess überhaupt Teil des zukünftigen Zielbilds?
  • Soll bestehender Custom Code angepasst oder stillgelegt werden?
  • Welche internen Ressourcen werden benötigt?
  • Welche Regressionstests sind notwendig?
  • Wie beeinflusst das Item andere Workstreams?
  • Welche Maßnahmen liegen auf dem kritischen Pfad?
  • Was bedeutet die Gesamtheit der Items für Budget und Projektlaufzeit?

SAP selbst sieht SAP Readiness Check als Grundlage für eine High-Level-Projektplanung und bietet dazu unter anderem Aktivitäten, Effort Rankings sowie weitere Analysebereiche.

Für eine belastbare Migrationsroadmap muss dieser technische Input jedoch mit dem Prozess-, Architektur- und Organisationskontext des Unternehmens verbunden werden.

Ein Unternehmen mit 30 relevanten Simplification Items kann deshalb einen größeren Conversion-Aufwand haben als eines mit 80 – wenn die 30 Items besonders tief in geschäftskritische Eigenentwicklungen, Daten oder Integrationen eingreifen.

Die Zahl der Simplification Items allein ist kein verlässlicher Projektaufwand.

Beispiele für typische Simplification Items

Welche Items tatsächlich relevant sind, hängt immer von Quell- und Zielrelease sowie der konkreten Systemnutzung ab.

Einige bekannte Beispiele zeigen jedoch gut, wie unterschiedlich die Auswirkungen sein können.

Business Partner und Customer/Vendor Integration

Für eine S/4HANA-Conversion ist der Business Partner das führende Objekt für die Pflege von Kunden- und Lieferantenstammdaten.

SAP beschreibt die Customer/Supplier beziehungsweise Customer/Vendor Integration als Voraussetzung für die Umstellung: bestehende Kunden und Lieferanten müssen für die Conversion entsprechend mit Business Partnern synchronisiert werden.

Das ist kein Thema, das erst unmittelbar vor dem technischen Cutover geprüft werden sollte.

Unternehmen müssen beispielsweise:

  • CVI-Customizing prüfen,
  • Stammdatenqualität bewerten,
  • Mapping und Nummernkreise klären,
  • Synchronisationsfehler bereinigen.

Was wie ein einzelnes Simplification Item aussieht, kann damit einen eigenen vorbereitenden Workstream erzeugen.

Material Ledger

In SAP S/4HANA ist das Material Ledger Grundlage der Materialbestandsbewertung und verpflichtend; Actual Costing bleibt dagegen optional.

Für Unternehmen bedeutet das unter anderem, bestehende Materialbewertung, Customizing und Migrationsaktivitäten rechtzeitig zu prüfen.

Das Beispiel zeigt, warum die bloße Feststellung „Item relevant“ nicht ausreicht.

Entscheidend ist, welche Konfiguration im Quellsystem besteht und welche Schritte daraus konkret folgen.

Erweiterte Materialnummer

SAP S/4HANA unterstützt längere Materialnummern.

Das kann auf den ersten Blick nach einer kleinen Datenmodelländerung aussehen.

In kundeneigenem Code, eigenen Tabellen, Schnittstellen oder externen Systemen können jedoch Annahmen über die bisherige Feldlänge vorhanden sein. SAP weist deshalb auch darauf hin, dass kundeneigener beziehungsweise Partner-Code auf die korrekte Verarbeitung der erweiterten Länge geprüft werden muss.

Damit kann ein Simplification Item gleichzeitig:

  • Custom Code,
  • Interfaces,
  • Datenmodelle,
  • externe Anwendungen

betreffen.

Datenmodelländerungen in SD Pricing

Auch Pricing zeigt, wie tief ein Simplification Item in technische Eigenentwicklungen eingreifen kann.

SAP hat das Datenmodell für Pricing in S/4HANA verändert und verwendet unter anderem eine neue Persistenzstruktur. Direkte kundeneigene Zugriffe auf ältere Tabellen beziehungsweise Strukturen können deshalb Anpassungen erfordern.

Hier muss nicht der Geschäftsprozess „Preisfindung“ neu erfunden werden.

Sehr wohl kann aber kundeneigener Code angepasst werden müssen, der auf technischen Details der alten ERP-Implementierung basiert.

Ersetzte Transaktionen und Funktionen

Ein weiteres typisches Szenario sind klassische ECC-Transaktionen, die in SAP S/4HANA nicht mehr auf dieselbe Weise verfügbar sind.

Dabei gilt:

Nicht jede abgelöste Transaktion bedeutet, dass der Geschäftsprozess entfällt.

Die Funktion kann beispielsweise über eine neue Anwendung, eine andere Transaktion oder eine neue Architektur bereitgestellt werden.

Für das Projektteam entsteht deshalb eine fachliche Entscheidung:

Müssen Anwender lediglich auf eine neue Oberfläche wechseln – oder verändert sich tatsächlich der Prozess?

Welche Rolle spielen Simplification Items für Custom Code?

Custom Code gehört zu den Bereichen, in denen Simplification Items besonders schnell konkreten Projektaufwand erzeugen können.

Viele ECC-Systeme wurden über Jahre oder Jahrzehnte erweitert.

Eigenentwicklungen können:

  • direkt auf SAP-Tabellen zugreifen,
  • Funktionsbausteine verwenden,
  • Transaktionen aufrufen,
  • Datenstrukturen voraussetzen,
  • Erweiterungen verwenden, deren technischer Kontext sich in S/4HANA geändert hat.

Wenn ein Simplification Item beispielsweise eine Änderung am Datenmodell beschreibt, kann dadurch kundeneigener ABAP-Code betroffen sein.

SAP Readiness Check bietet deshalb eine High-Level-Custom-Code-Analyse und kann Zusammenhänge zwischen Simplification Items und erforderlichen Code-Anpassungen sichtbar machen. In Verbindung mit ABAP Test Cockpit beziehungsweise weiterführender Custom-Code-Analyse lässt sich der tatsächlich zu korrigierende Code weiter eingrenzen.

Eine sinnvolle Reihenfolge lautet deshalb nicht:

Simplification Items prüfen → Custom Code später analysieren

sondern:

Simplification Items und Custom-Code-Impact miteinander verbinden.

Das hilft auch dabei, eine weitere wichtige Frage zu beantworten:

Sollte jeder betroffene Eigenentwicklungsbaustein wirklich migriert werden?

Nicht verwendeter oder künftig unnötiger Code sollte idealerweise nicht automatisch in die neue S/4HANA-Landschaft übernommen werden.

Wann sollte die Simplification-Analyse im S/4HANA-Projekt erfolgen?

Früh.

Simplification Items sollten nicht erst dann relevant werden, wenn SUM bereits läuft.

SAP positioniert SAP Readiness Check ausdrücklich als Tool für die frühe Planung einer S/4HANA System Conversion. Die Ergebnisse können unter anderem dazu verwendet werden, Aktivitäten zu priorisieren und einen High-Level-Projektplan aufzubauen.

Das ist sinnvoll, weil manche Simplification Items Aktivitäten erfordern, die bereits im ECC-System vor der technischen Conversion abgeschlossen werden sollten oder müssen.

Typische Beispiele sind:

  • Datenbereinigung,
  • Business-Partner/CVI-Vorbereitung,
  • Custom-Code-Anpassung,
  • Customizing-Änderungen,
  • Stilllegung nicht mehr benötigter Prozesse,
  • Vorbereitungen für Schnittstellen.

Wird die Analyse zu spät durchgeführt, werden solche Themen schnell zu Blockern für die eigentliche Conversion.

Der SI-Check selbst sollte ebenfalls nicht nur als letzter technischer Gatekeeper verstanden werden. SUM führt ihn zwar im Conversion-Prozess aus, SAP ermöglicht und empfiehlt aber eine frühere Ausführung, damit Konsistenzprobleme rechtzeitig behoben werden können.

Simplification Items sind deshalb kein Cutover-Thema. Sie gehören in die frühe Scope-, Risiko- und Aufwandsermittlung der S/4HANA-Conversion.

Von Simplification Items zur S/4HANA-Migrationsroadmap

Der technische Output ist nur der Anfang.

Für die tatsächliche Projektplanung sollte jedes relevante Item in einen steuerbaren Prozess überführt werden.

Ein praktikabler Ablauf ist:

Identifizieren → Validieren → Auswirkungen bewerten → Maßnahmen definieren → Aufwand schätzen → Verantwortliche zuordnen → umsetzen → testen → abschließen

Dabei können die Ergebnisse beispielsweise nach Workstreams gruppiert werden:

Finance

Welche Änderungen betreffen Financial Accounting, Controlling, Materialbewertung oder Abschlussprozesse?

Logistics und Supply Chain

Welche Prozesse in Procurement, Manufacturing, Warehouse oder Transportation verändern sich?

Master Data

Welche Vorbereitungen sind beispielsweise für Business Partner notwendig?

Custom Code

Welche Eigenentwicklungen greifen auf veränderte technische Objekte zu?

Integration

Welche IDocs, RFCs, BAPIs, OData Services oder andere Schnittstellen können betroffen sein?

SAP Readiness Check besitzt inzwischen auch eine eigene Interface Analysis, die potenziell betroffene Integrationen und weitere Informationen zu ihrer Nutzung sichtbar machen kann.

Testing

Welche End-to-End-Prozesse müssen nach der Anpassung besonders intensiv regressionsgetestet werden?

Aus dieser Verbindung entsteht eine Roadmap, die mehr beantwortet als:

„Welche Simplification Items haben wir?“

Sie beantwortet:

Was müssen wir wann tun, wer ist dafür verantwortlich und welche Abhängigkeiten bestimmen die Conversion?

Simplification-Item-Checkliste vor der S/4HANA-Conversion

Für jedes relevante Simplification Item sollten Projektteams mindestens folgende Fragen beantworten:

  • Betrifft das Item tatsächlich einen heute genutzten Prozess?
  • Bleibt dieser Prozess im zukünftigen S/4HANA-Zielbild bestehen?
  • Welche SAP-Module und organisatorischen Bereiche sind betroffen?
  • Welche aktuelle SAP Note gehört zum Item?
  • Sind vorbereitende Aktivitäten bereits im ECC-System erforderlich?
  • Müssen Daten bereinigt oder konvertiert werden?
  • Ist kundeneigener Code betroffen?
  • Welche Schnittstellen oder externen Systeme hängen davon ab?
  • Ändern sich Rollen oder Berechtigungen?
  • Welche fachlichen Entscheidungen sind erforderlich?
  • Welche Tests müssen durchgeführt werden?
  • Gibt es Abhängigkeiten zu anderen Simplification Items?
  • Wer ist für die Umsetzung verantwortlich?
  • Wie hoch ist der erwartete Aufwand?
  • Bis zu welchem Projektmeilenstein muss das Item abgeschlossen sein?

Je früher diese Antworten vorliegen, desto weniger wird die technische Conversion durch überraschende fachliche oder technische Abhängigkeiten bestimmt.

Fazit: Entscheidend ist nicht die Liste, sondern die Relevanz für Ihr System

Die SAP Simplification List ist eine der wichtigsten Grundlagen für die Vorbereitung einer S/4HANA-Conversion.

Aber sie sollte nicht als riesige Checkliste verstanden werden, die ein Projektteam vollständig manuell durcharbeiten muss.

Heute stehen mehrere aufeinander abgestimmte Quellen und Werkzeuge zur Verfügung:

Simplification List
liefert die releasespezifische Gesamtdokumentation.

Simplification Item Catalog
ermöglicht die gezielte und von SAP empfohlene Recherche nach aktuellen Simplification Items.

SAP Readiness Check
identifiziert die Items, die für die konkrete ERP-Landschaft potenziell relevant sind, und ergänzt weitere Informationen für die Projektplanung.

Simplification Item Check
prüft technische Relevanz und Konsistenz und ist ein verpflichtender Bestandteil der S/4HANA System Conversion.

Damit ist die entscheidende Frage nicht:

Wie viele Simplification Items gibt es?

Auch nicht:

Wie lang ist die aktuelle Simplification List?

Sondern:

Welche Simplification Items verändern unsere Prozesse, Daten, Eigenentwicklungen und Integrationen – und welche konkreten Maßnahmen müssen daraus für unsere S/4HANA-Roadmap entstehen?

Genau diese Übersetzung vom technischen SAP-Finding zum realen Projektumfang entscheidet darüber, ob die Simplification-Analyse nur Dokumentation bleibt oder tatsächlich hilft, Risiken, Aufwand und Zeitplan einer S/4HANA-Conversion frühzeitig planbar zu machen.

Häufige Fragen zur SAP Simplification List

Was ist die SAP Simplification List?

Die SAP Simplification List beschreibt wesentliche funktionale und technische Änderungen, die beim Übergang von SAP ERP beziehungsweise SAP Business Suite zu SAP S/4HANA berücksichtigt werden müssen. Die einzelnen Änderungen werden als Simplification Items dokumentiert.

Wo finde ich die aktuelle SAP Simplification List?

SAP stellt releasespezifische Simplification Lists im SAP Help Portal bereit. Zusätzlich können aktuelle Simplification Items über den Simplification Item Catalog im SAP ONE Support Launchpad durchsucht werden. SAP empfiehlt heute primär die Verwendung des Catalogs für die Recherche.

Was ist der SAP Simplification Item Catalog?

Der Simplification Item Catalog ist die durchsuchbare Sammlung der Simplification Items für SAP S/4HANA. Die Inhalte können unter anderem nach Zielrelease und Anwendungsbereich gefiltert werden. Im Unterschied zum SAP Readiness Check enthält der Catalog grundsätzlich alle Items und ist nicht automatisch auf das konkrete Kundensystem eingeschränkt.

Ist die Simplification List dasselbe wie der Simplification Item Catalog?

Nicht vollständig. Die Simplification List ist ein statisches releasespezifisches Dokument. Der Simplification Item Catalog stellt die Items durchsuchbar zur Verfügung und ist heute der von SAP empfohlene Weg für die laufende Recherche. Beide basieren auf denselben grundlegenden Simplification-Informationen.

Was ist ein Simplification Item?

Ein Simplification Item beschreibt eine relevante Änderung beim Übergang zu SAP S/4HANA. Es kann beispielsweise ein geändertes Datenmodell, eine ersetzte Funktion, notwendige Vorarbeiten oder Auswirkungen auf Custom Code beschreiben und verweist auf weiterführende SAP Notes.

Muss jedes Simplification Item umgesetzt werden?

Nein. Der vollständige Catalog enthält auch Items, die für das konkrete Kundensystem nicht relevant sind. SAP Readiness Check hilft dabei, die für eine bestimmte ERP-Landschaft relevanten Items zu identifizieren. Auch bei einem als relevant erkannten Item muss anschließend bewertet werden, welche konkrete Maßnahme im Projekt erforderlich ist.

Was ist der Unterschied zwischen SAP Readiness Check und Simplification Item Check?

SAP Readiness Check ist primär ein Planungswerkzeug. Es untersucht neben Simplification Items unter anderem Custom Code, Add-ons, Sizing und Integrationen. Der Simplification Item Check konzentriert sich auf Simplification-Item-Relevanz und Systemkonsistenz und ist in den technischen Conversion-Prozess mit SUM eingebunden.

Ist der SAP Readiness Check verpflichtend?

Nein. Der aktuelle SAP Conversion Guide kennzeichnet den SAP Readiness Check als nicht verpflichtend, aber ausdrücklich empfohlen. Er sollte früh eingesetzt werden, um Umfang und mögliche Risiken der Conversion besser einschätzen zu können.

Ist der Simplification Item Check verpflichtend?

Ja. Für die S/4HANA System Conversion ist der Simplification Item Check verpflichtend. SUM führt den Check während der Conversion aus; relevante Fehler müssen behoben werden, bevor die Conversion fortgesetzt werden kann.

Welche Rolle spielen Simplification Items bei Custom Code?

Änderungen an Datenmodellen, technischen Objekten oder Funktionen können kundeneigene ABAP-Entwicklungen beeinflussen. SAP Readiness Check und weiterführende Custom-Code-Analysen helfen dabei, betroffene Objekte zu identifizieren und notwendige Anpassungen einzugrenzen.

https://leverx.com/de/newsroom/sap-simplification-list
Verpassen Sie keine wertvollen Einblicke und Trends aus der Technologiewelt
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Body-1