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Das Jahr 2027 ist für viele Unternehmen mit SAP ECC ein wichtiger Wendepunkt. Für bestimmte SAP-ERP-6.0-Stände endet die Mainstream Maintenance der SAP Business Suite 7 am 31. Dezember 2027. Eine Extended Maintenance kann unter den von SAP definierten Bedingungen zusätzlichen Spielraum bis Ende 2030 schaffen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes SAP-ECC-System Ende 2027 automatisch ausser Betrieb genommen werden muss.
Für Schweizer Unternehmen ist deshalb eine andere Frage entscheidend: Welche Strategie ist für die eigene SAP-Landschaft sinnvoll – und wann muss die Transformation beginnen?
Eine Migration auf SAP S/4HANA ist ein umfangreiches Vorhaben. Neben dem ERP-System müssen unter anderem Geschäftsprozesse, Custom Code, Daten, Schnittstellen, Add-ons und die künftige Betriebsarchitektur betrachtet werden. Bei internationalen Unternehmen kommen zusätzlich globale Templates und lokale Anforderungen der Schweizer Gesellschaft hinzu.
Wer erst kurz vor dem Ende der verfügbaren Maintenance mit der Planung beginnt, reduziert seinen Handlungsspielraum. Unternehmen sollten deshalb bereits jetzt ihren SAP-Systemstatus prüfen, mögliche Zielarchitekturen bewerten und eine realistische Roadmap entwickeln.
Kurz gesagt: 2027 ist nicht für jedes Unternehmen ein harter Migrationsstichtag. Es ist aber ein wichtiger strategischer Termin, an dem die langfristige Zukunft der bestehenden SAP-ECC-Landschaft geklärt sein sollte.
Was passiert mit SAP ECC nach 2027?
Das SAP-ECC-Wartungsende 2027 bedeutet nicht, dass bestehende Systeme am 1. Januar 2028 automatisch abgeschaltet werden. Entscheidend sind die konkrete SAP-ERP-Version und das verwendete Enhancement Package.
Welche SAP-ECC-Systeme sind betroffen?
Für SAP ERP 6.0 mit Enhancement Packages 6 bis 8 läuft die Mainstream Maintenance der SAP Business Suite 7 am 31. Dezember 2027 aus. SAP bietet für diese Releases anschliessend eine Extended Maintenance bis Ende 2030 an. Dafür fällt ein zusätzlicher Aufschlag auf die Maintenance-Basis an.
Bei älteren SAP-ERP-6.0-Ständen ist die Situation bereits früher relevant: Für Systeme ohne Enhancement Package sowie für EHP 1 bis 5 endete die Mainstream Maintenance bereits Ende 2025.
Deshalb sollte ein Unternehmen nicht allein anhand des Begriffs „SAP ECC“ entscheiden. Der erste Schritt ist die Prüfung des konkreten Release- und Maintenance-Status.
Was ändert sich nach dem Ende der Mainstream Maintenance?
Nach Ende 2027 gibt es grundsätzlich mehrere Szenarien:
| Option | Bedeutung für das Unternehmen |
|---|---|
| Migration auf SAP S/4HANA | Das bestehende ERP wird durch eine moderne S/4HANA-Landschaft abgelöst. |
| Extended Maintenance | Für die entsprechenden SAP-ERP-6.0-Releases kann zusätzliche Maintenance bis Ende 2030 genutzt werden. |
| Customer-Specific Maintenance | Nach den regulären Maintenance-Zeiträumen ist eine eingeschränktere Form der Unterstützung möglich und sollte nicht mit regulärer Mainstream Maintenance gleichgesetzt werden. |
Extended Maintenance kann damit Zeit für die Transformation schaffen. Sie sollte jedoch nicht automatisch als langfristige ERP-Strategie verstanden werden.
Was bedeutet das für die Planung?
Für Schweizer Unternehmen ist deshalb weniger die Frage „Was passiert am 31. Dezember 2027?“ entscheidend. Wichtiger ist:
Wie viel Zeit benötigt unser Unternehmen, um von der heutigen SAP-ECC-Landschaft zu einem tragfähigen Zielbild zu gelangen?
Dafür müssen unter anderem Custom Code, Add-ons, Daten, Schnittstellen, Geschäftsprozesse und die gewünschte Betriebsarchitektur analysiert werden. Bei internationalen SAP-Landschaften kommen Abhängigkeiten zu globalen Templates und anderen Gesellschaften hinzu.
Kurzantwort: SAP ECC wird nach 2027 nicht für jedes Unternehmen unmittelbar unbrauchbar. Für betroffene SAP-ERP-6.0-Systeme endet jedoch die Mainstream Maintenance Ende 2027. Extended Maintenance kann bis Ende 2030 zusätzlichen Spielraum bieten. Unternehmen sollten diesen Spielraum als Teil einer bewussten Transformationsstrategie nutzen – nicht als Ersatz für eine solche Strategie.
Müssen Schweizer Unternehmen auf SAP S/4HANA migrieren?
Nein. Schweizer Unternehmen müssen nicht pauschal bis Ende 2027 auf SAP S/4HANA migrieren. Entscheidend sind der konkrete SAP-ERP-Release, der Maintenance-Status und die gewählte Strategie für die Zeit nach 2027.
Für Unternehmen mit einem SAP-ERP-6.0-System auf einem von SAP entsprechend unterstützten Enhancement Package kann Extended Maintenance bis Ende 2030 zusätzlichen zeitlichen Spielraum schaffen. Dieser Spielraum sollte jedoch nicht mit einer langfristigen Lösung gleichgesetzt werden.
Die eigentliche Managemententscheidung lautet daher nicht nur:
„Müssen wir 2027 migrieren?“
Sondern:
„Welche Option ist für unsere SAP-Landschaft, unsere Geschäftsprozesse und unsere strategischen Ziele wirtschaftlich und technisch sinnvoll?“
Drei strategische Optionen
1. SAP ECC zunächst weiterbetreiben
Unternehmen können ihr bestehendes SAP-ECC-System zunächst weiterbetreiben, sofern die technischen und vertraglichen Voraussetzungen dafür gegeben sind.
Das kann sinnvoll sein, wenn beispielsweise grössere Abhängigkeiten bestehen, andere Transformationsprojekte Vorrang haben oder eine kurzfristige Migration unverhältnismässig hohe Risiken verursachen würde.
Allerdings sollte diese Option mit einer klaren zeitlichen Perspektive verbunden sein. Ein unveränderter Weiterbetrieb löst die langfristige Frage nach der ERP-Plattform nicht.
2. Extended Maintenance als Übergang nutzen
Extended Maintenance kann Unternehmen zusätzliche Zeit für die Vorbereitung einer S/4HANA-Transformation geben.
Das kann insbesondere dann interessant sein, wenn eine Migration bis Ende 2027 nicht realistisch ist, das Unternehmen aber eine fundierte Vorbereitung benötigt.
Die zusätzliche Zeit sollte beispielsweise für folgende Arbeiten genutzt werden:
- Analyse der bestehenden SAP-Landschaft
- Bewertung von Custom Code und Add-ons
- Bereinigung und Vorbereitung von Daten
- Analyse der Schnittstellen
- Bewertung der Geschäftsprozesse
- Definition der Zielarchitektur
- Auswahl des Migrationsansatzes
- Business Case und Programmplanung
Extended Maintenance ist damit vor allem ein Planungs- und Übergangsinstrument. Sie sollte nicht dazu führen, dass die strategische Entscheidung erneut um mehrere Jahre verschoben wird.
3. Migration auf SAP S/4HANA priorisieren
Eine frühzeitige Transformation kann sinnvoll sein, wenn das bestehende SAP-ECC-System bereits an technische oder funktionale Grenzen stösst oder das Unternehmen seine ERP-Landschaft ohnehin grundlegend modernisieren möchte.
Typische Auslöser sind beispielsweise:
- hoher Anteil an individuellem Custom Code
- komplexe oder veraltete Schnittstellen
- fehlende Skalierbarkeit
- steigende Betriebs- und Wartungsaufwände
- anstehende Ablösung von Drittanwendungen
- internationale ERP-Harmonisierung
- neue Anforderungen an Daten, Analysen oder Automatisierung
- Wunsch nach einer moderneren Cloud- oder Integrationsarchitektur
Dabei sollte die Migration nicht allein als technisches Upgrade betrachtet werden. SAP S/4HANA kann auch Anlass sein, bestehende Geschäftsprozesse zu standardisieren und die ERP-Architektur neu auszurichten.
Wann ist welche Option sinnvoll?
| Ausgangslage | Mögliche Richtung |
|---|---|
| SAP ECC ist stabil und eine kurzfristige Migration wäre mit hohen Risiken verbunden | Weiterbetrieb bzw. Extended Maintenance prüfen |
| Das Unternehmen benötigt zusätzliche Zeit für Analyse und Vorbereitung | Extended Maintenance als Übergang prüfen |
| Geschäftsprozesse und ERP-Landschaft sollen grundlegend modernisiert werden | S/4HANA-Transformation priorisieren |
| Ein globales SAP-Programm steht bereits bevor | Schweizer Gesellschaft in die globale Roadmap integrieren |
| Hohe technische Altlasten und komplexe Integrationen bestehen | Frühzeitiges Assessment und detaillierte Transformationsplanung |
Diese Einteilung ist keine allgemeingültige Entscheidungsmatrix. Die passende Strategie hängt vom individuellen System- und Geschäftskontext ab.
Was Schweizer Unternehmen jetzt entscheiden sollten
Für CIOs und IT-Verantwortliche empfiehlt sich deshalb zunächst eine strukturierte Bestandsaufnahme:
- Welchen SAP-ERP-Release und welches Enhancement Package nutzen wir?
- Welche Maintenance gilt für unser konkretes System?
- Welche geschäftskritischen Prozesse hängen von SAP ECC ab?
- Wie viel Custom Code und welche Add-ons müssen berücksichtigt werden?
- Welche Schnittstellen und Drittsysteme sind betroffen?
- Gibt es eine globale SAP-Roadmap, an die sich die Schweizer Organisation anschliessen muss?
- Welches Zielbild verfolgen wir: On-Premise, Private Cloud oder ein stärker standardisiertes Cloud-ERP-Modell?
- Welche Migrationsstrategie passt zu unserem Geschäftsmodell?
Erst auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, ob eine Migration bis 2027 realistisch, eine Nutzung der Extended Maintenance sinnvoll oder ein anderer Zeitplan angemessen ist.
Kurzantwort: Schweizer Unternehmen sind nicht pauschal verpflichtet, bis Ende 2027 auf SAP S/4HANA zu migrieren. Für viele Unternehmen ist 2027 dennoch ein wichtiger strategischer Meilenstein. Wer Extended Maintenance nutzt, sollte die zusätzliche Zeit für eine belastbare S/4HANA-Roadmap einsetzen und nicht lediglich den bestehenden Entscheidungsbedarf verschieben.
Ist Ihre SAP-ECC-Landschaft bereit für die nächsten Jahre?
Wie viel Zeit bleibt für die SAP-S/4HANA-Migration?
Wer das Ende der Mainstream Maintenance Ende 2027 als Zieltermin für eine SAP-S/4HANA-Migration betrachtet, sollte nicht vom Go-live rückwärts, sondern von den notwendigen Vorbereitungs- und Umsetzungsphasen planen. Im September 2026 bleiben bis zum 31. Dezember 2027 rund 16 Monate. Für eine komplexe SAP-Landschaft ist das ein begrenztes Zeitfenster.
Wie lange eine Migration tatsächlich dauert, hängt stark von der Ausgangssituation ab. Ein vergleichsweise standardnahes SAP-ECC-System mit wenig Custom Code, überschaubaren Schnittstellen und klar definierten Geschäftsprozessen lässt sich anders planen als eine über Jahre gewachsene Systemlandschaft mit zahlreichen Eigenentwicklungen, Add-ons, verbundenen Systemen und internationalen Gesellschaften.
SAP selbst weist darauf hin, dass die Vorbereitung auf den Übergang unter anderem eine Analyse der bestehenden Systemlandschaft und eine geeignete Transformationsstrategie erfordert.
Der Go-live ist nicht der Projektstart
Eine häufige Fehlannahme besteht darin, den gewünschten S/4HANA-Go-live als einzigen relevanten Termin zu betrachten. Tatsächlich müssen davor zahlreiche Aktivitäten abgeschlossen werden:
- Analyse der bestehenden SAP-ECC-Landschaft
- Definition der Zielarchitektur
- Bewertung von Custom Code und Add-ons
- Analyse und Bereinigung von Daten
- Prüfung von Schnittstellen und Integrationen
- Entscheidung über Migrationsansatz und Betriebsmodell
- Anpassung und Harmonisierung von Geschäftsprozessen
- Entwicklung und Tests
- Benutzer- und Change-Management
- Cutover-Planung und Vorbereitung des Produktivstarts
- Hypercare und Stabilisierung nach dem Go-live
Gerade bei internationalen Unternehmen können zusätzliche Abhängigkeiten entstehen, etwa durch globale Templates, lokale Prozesse und mehrere Gesellschaften.
Welche Faktoren bestimmen die Projektdauer?
Für die Planung sollten Schweizer Unternehmen insbesondere diese Faktoren bewerten:
| Faktor | Einfluss auf die Migration |
|---|---|
| Systemkomplexität | Anzahl und Abhängigkeiten der eingesetzten SAP-Komponenten |
| Custom Code | Umfang der Eigenentwicklungen und notwendige Anpassungen |
| Add-ons | Kompatibilität und Verfügbarkeit für die Zielplattform |
| Datenvolumen und Datenqualität | Aufwand für Analyse, Bereinigung, Transformation und Migration |
| Schnittstellen | Anzahl, Technologie und Abhängigkeiten zu angebundenen Systemen |
| Geschäftsprozesse | Grad der Standardisierung und notwendige Prozessänderungen |
| Organisationsstruktur | Anzahl der Gesellschaften, Länder und Business Units |
| Betriebsmodell | On-Premise, Private Cloud oder stärker standardisierte Cloud-Variante |
| Testaufwand | Umfang der Integrations-, Prozess- und Abnahmetests |
| Change Management | Auswirkungen auf Anwender, Rollen und Arbeitsweisen |
Deshalb lässt sich keine seriöse allgemeingültige Dauer für eine SAP-S/4HANA-Migration nennen. Unternehmen sollten ihre individuelle Komplexität analysieren und daraus einen belastbaren Zeitplan ableiten.
Rückwärts vom Zieltermin planen
Wenn ein Unternehmen beispielsweise einen Go-live vor dem Ende der Mainstream Maintenance anstrebt, sollte der Zeitplan rückwärts aufgebaut werden. Dabei reicht es nicht aus, nur die technische Migration einzuplanen. Auch Tests, Datenmigration, fachliche Abnahmen, Schulungen, Cutover und Stabilisierung benötigen Zeit.
Ein sinnvoller Planungsansatz besteht daher aus vier Ebenen:
1. Zieltermin definieren
Welcher Go-live ist aus geschäftlicher und technischer Sicht realistisch?
2. Kritischen Pfad bestimmen
Welche Aktivitäten haben Abhängigkeiten und können den Go-live unmittelbar gefährden?
3. Vorbereitungsphase einplanen
Welche Entscheidungen müssen vor der eigentlichen Umsetzung getroffen werden?
4. Puffer berücksichtigen
Wo bestehen Unsicherheiten bei Daten, Custom Code, Schnittstellen, Tests oder Drittanbietern?
Für Unternehmen, die heute noch keine belastbare S/4HANA-Roadmap haben, ist deshalb nicht nur die Frage relevant, ob eine Migration bis Ende 2027 möglich ist. Entscheidend ist, ob sie unter den gegebenen Rahmenbedingungen verantwortbar und mit ausreichendem Risikopuffer umsetzbar ist.
Was tun, wenn 2027 zu knapp ist?
Wenn die Analyse zeigt, dass ein Go-live bis Ende 2027 nicht realistisch ist, sollte das Unternehmen nicht versuchen, den Zeitdruck allein durch eine verkürzte Projektphase auszugleichen. Stattdessen sollte geprüft werden, ob Extended Maintenance bis Ende 2030 als bewusst gewählte Übergangsphase genutzt werden kann. SAP sieht diese Option für bestimmte SAP-ERP-6.0-Releases vor.
Die zusätzliche Zeit sollte dabei möglichst für konkrete Vorarbeiten genutzt werden: Zielarchitektur festlegen, Daten und Custom Code analysieren, Schnittstellen dokumentieren, Prozesse harmonisieren, den Business Case erstellen und die Migration in realistische Programmphasen aufteilen.
Kurz gesagt: Wer heute eine S/4HANA-Migration plant, sollte nicht nur fragen, wann SAP ECC gewartet wird, sondern wie viel Zeit die eigene Organisation für eine kontrollierte Transformation tatsächlich benötigt. Je komplexer die SAP-Landschaft, desto früher sollte die detaillierte Planung beginnen.
Welche Migrationsstrategie passt zu Ihrem Unternehmen?
Die Entscheidung für SAP S/4HANA ist nur der erste Schritt. Danach muss geklärt werden, wie die bestehende SAP-ECC-Landschaft in die neue Umgebung überführt werden soll. Dafür kommen grundsätzlich drei Ansätze infrage: Brownfield beziehungsweise System Conversion, Greenfield beziehungsweise Neuimplementierung und Selective Data Transition.
Es gibt dabei keine universell beste Methode. Die richtige Strategie hängt davon ab, wie stark ein Unternehmen bestehende Prozesse übernehmen möchte, wie viel historisches Daten- und Prozesswissen erhalten bleiben soll und wie gross der gewünschte Veränderungsgrad ist.
Brownfield: Bestehendes System gezielt weiterentwickeln
Bei einer Brownfield-Migration, häufig als System Conversion bezeichnet, wird das bestehende SAP-ERP-System technisch und funktional in Richtung SAP S/4HANA transformiert.
Dieser Ansatz kann insbesondere für Unternehmen sinnvoll sein, die ihre etablierten Geschäftsprozesse weitgehend beibehalten möchten und bereits viel in ihr SAP-System investiert haben.
Typische Vorteile sind:
- bestehende Prozesse und Organisationsstrukturen können weitgehend erhalten bleiben
- vorhandene Daten können grundsätzlich weitergeführt werden
- geringerer fachlicher Veränderungsumfang als bei einer vollständigen Neuimplementierung
- bestehende SAP-Erfahrung der Anwender kann genutzt werden
Gleichzeitig wird bestehender Ballast nicht automatisch beseitigt. Custom Code, veraltete Schnittstellen, unnötige Datenbestände oder historisch gewachsene Prozesse müssen vor und während der Transformation gezielt bewertet werden.
Geeignet kann Brownfield insbesondere sein, wenn die bestehende SAP-Lösung grundsätzlich funktioniert und die Transformation vor allem technologisch modernisiert werden soll.
Greenfield: Prozesse und Architektur neu denken
Beim Greenfield-Ansatz wird SAP S/4HANA als neue Lösung implementiert. Statt die bestehende Systemlogik möglichst weitgehend zu übernehmen, werden Prozesse und Strukturen auf Basis des gewünschten Zielbilds neu gestaltet.
Das kann sinnvoll sein, wenn ein Unternehmen beispielsweise:
- seine Geschäftsprozesse grundlegend harmonisieren möchte
- stark gewachsene Strukturen vereinfachen will
- ein neues globales Template aufbauen möchte
- Custom Code und historische Systemabhängigkeiten deutlich reduzieren möchte
- die Einführung von SAP S/4HANA mit einer umfassenden Business Transformation verbinden will
Der grössere Gestaltungsspielraum geht allerdings mit einem höheren Veränderungs- und Abstimmungsaufwand einher. Datenmigration, Prozessdesign, Tests, Schulungen und organisatorisches Change Management erhalten dabei eine besonders hohe Bedeutung.
Selective Data Transition: Zwischen Bewahren und Neugestalten
Die Selective Data Transition kombiniert Elemente beider Ansätze. Unternehmen können ausgewählte Daten, Strukturen oder Prozesse aus der bestehenden Landschaft übernehmen und gleichzeitig andere Bereiche neu gestalten.
Dieser Ansatz kann interessant sein, wenn weder eine vollständige Übernahme des bestehenden Systems noch eine komplette Neuimplementierung den geschäftlichen Anforderungen entspricht.
Er kann beispielsweise bei komplexen Unternehmensstrukturen relevant sein, wenn bestimmte historische Daten benötigt werden, gleichzeitig aber Prozesse oder Organisationsstrukturen grundlegend verändert werden sollen.
Die drei Ansätze im Vergleich
| Kriterium | Brownfield / System Conversion | Greenfield | Selective Data Transition |
|---|---|---|---|
| Bestehende Prozesse | Weitgehend erhalten | Neu gestalten | Selektiv übernehmen |
| Historische Daten | Weitgehend weiterführen | Nach Zielbild auswählen | Selektiv übernehmen |
| Veränderungsgrad | Niedriger bis mittel | Hoch | Mittel bis hoch |
| Gestaltungsspielraum | Begrenzt durch bestehende Struktur | Sehr hoch | Hoch |
| Custom Code | Analysieren und anpassen | Stark reduzieren bzw. neu entwickeln | Selektiv bewerten |
| Typischer Fokus | Technologische Transformation | Business Transformation | Kombination beider Ansätze |
Die Entscheidung sollte nicht nur technisch getroffen werden
Für CIOs und IT-Verantwortliche ist es wichtig, die Migrationsstrategie nicht allein aus der Perspektive der IT zu wählen. Auch Fachbereiche, Finance, Operations, Supply Chain und die Unternehmensleitung sollten in die Entscheidung einbezogen werden.
Eine zentrale Frage lautet:
Soll SAP S/4HANA primär die bestehende Arbeitsweise modernisieren – oder soll die Migration genutzt werden, um die Arbeitsweise selbst zu verändern?
Je klarer diese Frage beantwortet ist, desto leichter lässt sich der passende Migrationsansatz bestimmen.
Auch die Ausgangslage spielt eine entscheidende Rolle. Ein Unternehmen mit einem vergleichsweise standardnahen ECC-System und stabilen Prozessen kann zu einer anderen Empfehlung kommen als ein internationaler Konzern mit zahlreichen Eigenentwicklungen, heterogenen Systemen und unterschiedlichen lokalen Prozessvarianten.
Ein pragmatischer Entscheidungsrahmen
Vor der Auswahl des Ansatzes sollten Unternehmen mindestens fünf Fragen beantworten:
- Wie gut unterstützt das bestehende SAP-ECC-System die heutigen Geschäftsprozesse?
- Welche Prozesse sollen unverändert bleiben und welche müssen ohnehin neu gestaltet werden?
- Wie hoch ist der Anteil an Custom Code, individuellen Erweiterungen und alten Schnittstellen?
- Welche Daten müssen zwingend übernommen werden und welche können archiviert oder ausserhalb des neuen Systems gehalten werden?
- Welche Veränderungen sind für das Unternehmen organisatorisch und zeitlich realistisch?
Erst aus dieser Bewertung sollte die konkrete Migrationsstrategie abgeleitet werden.
Kurz gesagt: Brownfield eignet sich häufig für eine kontrollierte Weiterentwicklung, Greenfield für eine grundlegende Neugestaltung und Selective Data Transition für Szenarien, in denen gezielt Elemente der bestehenden Landschaft bewahrt und andere neu aufgebaut werden sollen. Entscheidend ist nicht die Bezeichnung der Methode, sondern ob sie zum gewünschten Geschäfts- und IT-Zielbild passt.
Was sollten CIOs und IT-Verantwortliche in der Schweiz jetzt prüfen?
Vor einer S/4HANA-Migration brauchen Unternehmen zunächst ein klares Bild ihrer bestehenden SAP-Landschaft. Entscheidend sind dabei nicht nur Release und Enhancement Package, sondern auch technische, fachliche und organisatorische Abhängigkeiten.
Diese sechs Bereiche sollten CIOs und IT-Verantwortliche prüfen:
- Release und Maintenance
Welche SAP-ERP-Version und welches EHP sind im Einsatz und welche Maintenance-Optionen gelten für das System? Für SAP ERP 6.0 mit EHP 6 bis 8 läuft die Mainstream Maintenance bis Ende 2027. - Custom Code und Add-ons
Welche Eigenentwicklungen und Drittanbieter-Lösungen werden tatsächlich benötigt? Was ist S/4HANA-kompatibel und was kann durch Standardfunktionen ersetzt werden? - Daten und Stammdaten
Welche Daten müssen übernommen werden? Wie ist deren Qualität und welche Daten können archiviert oder bereinigt werden? - Schnittstellen und Prozesse
Welche Systeme sind heute mit SAP verbunden und welche Geschäftsprozesse hängen davon ab? Gleichzeitig sollten manuelle Workarounds und unnötige Prozesskomplexität identifiziert werden. - Zielarchitektur und Betriebsmodell
Wie soll die künftige SAP-Landschaft aussehen? Dazu gehören unter anderem S/4HANA, Integrationen, SAP BTP und die Entscheidung für On-Premise, Private Cloud oder eine stärker standardisierte Cloud-Variante. - Organisation und Business Case
Welche Fachbereiche sind betroffen, welcher Change-Aufwand entsteht und welchen geschäftlichen Nutzen soll die Transformation liefern?
Aus diesen Punkten sollte eine belastbare S/4HANA-Roadmap entstehen – mit Migrationsansatz, Zielarchitektur, realistischem Go-live-Termin, Budgetrahmen und klaren Verantwortlichkeiten.
Kurz gesagt: Je früher Release, Code, Daten, Schnittstellen, Prozesse und Zielarchitektur transparent sind, desto fundierter lässt sich entscheiden, ob eine schnelle Migration oder eine schrittweise Transformation sinnvoll ist.
Was ist bei der SAP-S/4HANA-Migration in der Schweiz besonders wichtig?
Für Schweizer Unternehmen gelten bei einer S/4HANA-Transformation grundsätzlich dieselben technologischen Herausforderungen wie in anderen Märkten. Zusätzliche Anforderungen können jedoch entstehen, wenn Schweizer Gesellschaften Teil internationaler SAP-Landschaften sind oder Daten über Ländergrenzen hinweg verarbeitet werden.
Globale Templates und lokale Anforderungen
Internationale Unternehmen müssen häufig globale SAP-Prozesse mit lokalen Anforderungen verbinden. Bei einer Migration sollte deshalb früh geklärt werden, welche Prozesse global standardisiert werden und wo lokale Besonderheiten berücksichtigt werden müssen.
Für Schweizer Gesellschaften können dabei beispielsweise Finance-, Steuer-, Reporting- oder organisatorische Anforderungen relevant sein. Eine S/4HANA-Migration ist daher auch eine Gelegenheit, globale Templates und lokale Prozesse aufeinander abzustimmen.
Datenschutz und Cloud-Betrieb
Auch das Betriebsmodell sollte aus Schweizer Perspektive frühzeitig geprüft werden. Das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz ist seit dem 1. September 2023 in Kraft. Werden Personendaten ins Ausland bekanntgegeben, gelten je nach Konstellation zusätzliche datenschutzrechtliche Anforderungen. Das kann auch bei Cloud- und Outsourcing-Szenarien relevant sein.
Das bedeutet nicht, dass Schweizer Unternehmen ihre SAP-Daten grundsätzlich in der Schweiz speichern müssen. Entscheidend sind vielmehr die konkrete Datenverarbeitung, die beteiligten Dienstleister und Länder sowie die geltenden Datenschutzanforderungen.
Integration über Länder- und Systemgrenzen
In internationalen Unternehmen ist SAP häufig mit Systemen in mehreren Ländern verbunden. Eine Migration sollte deshalb nicht nur das zentrale ERP-System betrachten, sondern auch Datenflüsse, Integrationen und Abhängigkeiten zwischen Schweizer Gesellschaften, globalen Systemen und externen Partnern.
Gerade bei Finance, Supply Chain, Procurement oder Logistik können solche Abhängigkeiten für die Planung des Cutovers und der Tests entscheidend sein.
Für Schweizer Unternehmen geht es bei der S/4HANA-Migration nicht um einen grundsätzlich anderen technischen Migrationsweg. Relevant sind vor allem lokale Anforderungen innerhalb globaler SAP-Strukturen, Datenschutz bei grenzüberschreitender Datenverarbeitung und eine sauber geplante Integration über Länder- und Systemgrenzen hinweg.
Was sollten Schweizer Unternehmen jetzt tun?
Wer SAP ECC heute noch produktiv nutzt, sollte das Wartungsende 2027 nicht als reines IT-Thema behandeln. Entscheidend ist, frühzeitig eine belastbare Entscheidung über die künftige ERP-Landschaft zu treffen.
Die nächsten fünf Schritte
1. SAP-Systemstatus prüfen
Release, Enhancement Package, Custom Code, Add-ons, Daten und Schnittstellen dokumentieren.
2. Zielbild definieren
Festlegen, welche Geschäftsprozesse, Systeme und Integrationen künftig mit SAP S/4HANA abgebildet werden sollen.
3. Migrationsoptionen bewerten
Brownfield, Greenfield und Selective Data Transition anhand von Aufwand, Risiken, Geschäftsanforderungen und gewünschtem Veränderungsgrad vergleichen.
4. Business Case erstellen
Projektkosten, laufende Betriebskosten, mögliche Extended-Maintenance-Kosten und erwarteten geschäftlichen Nutzen gegenüberstellen.
5. Roadmap und Governance festlegen
Go-live-Ziel, Meilensteine, Verantwortlichkeiten, Entscheidungsprozesse und Risikopuffer definieren.
Je früher diese Schritte abgeschlossen sind, desto mehr Optionen bleiben für die eigentliche Transformation. Falls eine Migration bis Ende 2027 nicht realistisch ist, kann Extended Maintenance für bestimmte SAP-ERP-6.0-Releases zusätzlichen zeitlichen Spielraum bis Ende 2030 bieten.
Jetzt geht es nicht darum, möglichst schnell ein Migrationsprojekt zu starten. Es geht darum, eine fundierte Entscheidung zu treffen und daraus eine realistische Roadmap abzuleiten.
FAQ
Was passiert mit SAP ECC nach 2027?
Für bestimmte SAP-ERP-6.0-Releases endet die Mainstream Maintenance am 31. Dezember 2027. Für EHP 6 bis 8 ist unter den von SAP definierten Bedingungen eine Extended Maintenance bis Ende 2030 möglich. Das System wird danach nicht automatisch abgeschaltet, aber die verfügbaren Maintenance- und Supportoptionen verändern sich.
Müssen Schweizer Unternehmen bis 2027 auf SAP S/4HANA migrieren?
Nein, nicht pauschal. Entscheidend sind der konkrete SAP-ERP-Release, der Maintenance-Status und die individuelle Unternehmensstrategie. Extended Maintenance kann für bestimmte Releases zusätzlichen Zeitraum für die Transformation schaffen.
Wie lange dauert eine SAP-S/4HANA-Migration?
Das hängt stark von der Systemlandschaft ab. Custom Code, Add-ons, Daten, Schnittstellen, Geschäftsprozesse, Anzahl der Gesellschaften und der gewählte Migrationsansatz beeinflussen den Aufwand. Deshalb sollte die Projektdauer auf Basis einer konkreten Analyse und nicht anhand einer pauschalen Zeitangabe geplant werden.
Was ist besser: Brownfield oder Greenfield?
Keine der beiden Varianten ist grundsätzlich besser. Brownfield kann sinnvoll sein, wenn bestehende Prozesse und Strukturen weitgehend erhalten bleiben sollen. Greenfield eignet sich eher für Unternehmen, die Prozesse und Systemarchitektur grundlegend neu gestalten möchten. Selective Data Transition kann eine Option zwischen diesen beiden Ansätzen sein.
Ist SAP S/4HANA Cloud für Schweizer Unternehmen die beste Lösung?
Nicht automatisch. On-Premise, Private Cloud und stärker standardisierte Cloud-Modelle haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Die Entscheidung sollte sich an Geschäftsstrategie, Individualisierungsgrad, Integrationen, Governance, Betriebsanforderungen und Datenschutz orientieren.
Was sollten Unternehmen jetzt tun?
Zunächst sollten sie den eigenen SAP-Systemstatus prüfen, das Zielbild definieren und Brownfield, Greenfield sowie Selective Data Transition vergleichen. Anschliessend sollten Business Case, Roadmap, Go-live-Termin und Governance festgelegt werden.
Die wichtigste Erkenntnis: Das SAP-ECC-Wartungsende 2027 ist kein Grund für eine unüberlegte Schnellmigration. Es ist ein strategischer Termin, der Unternehmen dazu zwingt, die Zukunft ihrer ERP-Landschaft jetzt konkret zu planen.
SAP ECC 2027 als strategischen Wendepunkt nutzen
Das SAP-ECC-Wartungsende 2027 ist kein automatischer Abschalttermin für jedes bestehende SAP-System. Für bestimmte SAP-ERP-6.0-Releases endet jedoch die Mainstream Maintenance Ende 2027; eine Extended Maintenance kann unter den von SAP definierten Bedingungen bis Ende 2030 zusätzlichen Spielraum schaffen.
Für Schweizer Unternehmen steht deshalb weniger die Frage im Mittelpunkt, ob sie „bis 2027“ migrieren müssen. Entscheidend ist, welches ERP-Zielbild langfristig zum Unternehmen passt und wie dieses Ziel kontrolliert erreicht werden kann.
Dazu gehören eine Analyse der bestehenden SAP-Landschaft, die Auswahl des passenden Migrationsansatzes, die Bewertung von Daten, Custom Code und Schnittstellen sowie eine klare Entscheidung über Zielarchitektur und Betriebsmodell.
Wer diese Fragen frühzeitig beantwortet, kann die verbleibende Maintenance-Zeit gezielt nutzen und eine S/4HANA-Transformation besser planbar machen.
SAP S/4HANA Migration mit LeverX
LeverX unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von SAP-Transformationen – von der Analyse der bestehenden SAP-Landschaft über die Auswahl des Migrationsansatzes bis zur Implementierung und Integration von SAP S/4HANA.
Für Schweizer Unternehmen kann eine strukturierte Bestandsaufnahme helfen, den aktuellen Handlungsbedarf zu bestimmen, Migrationsoptionen zu vergleichen und eine realistische Roadmap zu entwickeln.
Der erste Schritt ist nicht die Migration. Der erste Schritt ist eine fundierte Entscheidung darüber, wohin sich Ihre SAP-Landschaft entwickeln soll.